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03.12.2019

Gemeindearchiv - Erwerb historischen Materials

Das Gemeindearchiv Isernhagen hat einen Satz Isernhagener Feldmarkskarten des 18. Jahrhunderts erworben. Finanzielle Unterstützung gab freundlicherweise die Bürgerstiftung Isernhagen, um historisches Gut für die Bürgerinnen und Bürger Isernhagens zu sichern.
Es handelt sich um 50 handgezeichnete und –kolorierte, ca. 50x70 cm große Aufnahmen der zehntabgabepflichtigen Ländereien der vier Isernhagener Bauerschaften. Sie wurden 1780-84 im Auftrag der Landesverwaltung (der „Königlichen und Churfürstlichen Kammer“) von dem Wunstorfer Landvermesser Christian Joachim Engelke erstellt und stellen in unterschiedlicher Farbgebung die auf den Flächen liegenden, unterschiedlichen Zehntarten bzw. –empfänger dar. Mit aufgenommen sind Flurbezeichnungen, natürliche Gegebenheiten wie Bäche, Gräben, Wege oder (Grenz-)Bäume, besondere Kulturarten wie Gärten und eingehegte Weiden sowie vereinzelt Windmühlen und Hofgebäude. Eine lokale Besonderheit stellen die Flächen des sogenannten „Stiefelzehnten“ dar, der an die Burgwedeler Amtsverwaltung zur Erneuerung der Stiefel des Vogts gezahlt werden musste (vgl. Kempf-Oldenburg, Isernhagen-Chronik, Bd. 2, S. 37).
Die Karten stellen durch die detailgenaue Abbildung der natürlichen Gegebenheiten, des Kulturzustandes, der Mühlen, der Flurnamen usw. für den Isernhagener Raum eine außergewöhnliche Quelle dar. Noch vor den großen Umlegungen der Verkoppelungsphase entstanden, lassen sie über die ursprüngliche Landbesitzverteilung zudem Rückschlüsse auf die Siedlungsgeschichte der vier Isernhagener Bauerschaften zu.
Detailgetreue kartographische Darstellungen des ländlichen Raums aus dem 18. Jahrhundert sind selten. Der hier angebotene Satz ist vollständig und insgesamt in einem relativ guten Zustand. Die Karten bilden zusammen mit zwei Registerbänden eine Einheit, die als eine Art Steuerkataster für den zu dieser Zeit überwiegend in landesherrlicher Hand befindlichen Zehnt diente und eine exakte Lokalisierung und Zuordnung der Flächen zu den einzelnen Höfen sowie die Bestimmung der jeweils darauf liegenden Zehntlast erlaubte. Von den Registerbänden befindet sich der Band 1 (betreffend FB und KB) im Landesarchiv Hannover, während sich Band 2 (NB und HB) seit 2005 im Gemeindearchiv befindet.